Das schönste Reiseziel ist die Heimat

In den letzten Jahren konnte ich besonders von einer Sache nicht genug bekommen: vom Reisen. Egal, ob ein kurzer Ausflug in Österreich, ein City-Trip in eine der vielen traumhaften Städte Europas oder doch etwas weiter in die Ferne – für mich stand Reisen oft an oberster Stelle meiner Freizeitplanung. Manchmal hätte ich auch gerne einfach jedes Wochenende in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land verbracht. Und war mal länger keine Reise geplant, fühlte ich mich unvollkommen und leer, denn schließlich war das Reisen ja ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und dadurch auch zu einem gewissen Grad ein Teil meiner Persönlichkeit.

Als ich mich dieses Jahr im Januar dann ins Berufsleben gestürzt habe, war die Angst, dass meine Reisen dadurch zu kurz kommen könnten, anfangs groß. Die Freiheiten, die ich als Studentin immer genossen habe, waren plötzlich weg und die Vorstellung mit nur 5 Wochen Urlaub im Jahr auskommen zu müssen schien mir schier unvorstellbar. Doch da ich bereits nach einigen Monate total im Berufsleben angekommen war und mir die Corona-Pandemie sowieso einen Strich durch jegliche Reisepläne gemacht hat, wurde auch mein Drang nach dem „Ich muss mal wieder raus“ immer kleiner.

Ich fing an, die Dinge, die so nahe lagen, immer mehr zu schätzen. Ich entdeckte Wien – die Stadt, in der ich trotz meiner Zeit im Ausland doch den Großteil der letzten Jahre verbrachte habe – komplett neu für mich. Und fühlte mich mit jedem Tag, den ich hier in Wien oder am Land bei meinen Eltern seit meiner letzten Reise im Dezember letzten Jahres verbracht habe, ein Stück wohler und mehr zu Hause. Plötzlich hatte ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein und nach langer Reise meinen Anker – zumindest mal für jetzt – gefunden zu haben. Ich habe gelernt, dass ich nicht ständig an einem anderen Fleck sein muss, um glücklich zu sein. Vielmehr habe ich herausgefunden, dass gerade ein stabiles und sicheres Umfeld und ein fester Wohnort mein persönliches Glück und Wohlbefinden positiver beeinflussen als es jede Reise vermutlich jemals tun könnte.

In Stein gemeißelt ist jedoch nichts und vielleicht rollt die nächste „Reisewut“ ja auch schon bald wieder um die Ecke. Dann packe ich wieder aufgeregt meine sieben Sachen und mache mich auf zu neuen Abenteuern, denn jetzt schon sesshaft zu werden ist dann doch eine Nummer zu groß für mich. Doch bis dahin ist es mal an der Zeit all die Dinge, die so nahe liegen, in vollsten Zügen zu genießen. Denn am Ende des Tages ist das schönste Reiseziel dann doch die Heimat.

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