Es war nicht alles schlecht

Beim Lesen des Titels möchte man glauben, es geht um eine Liebesgeschichte, die eventuell auch noch mit einem gebrochenen Herz geendet hat. Doch der Schein trügt, denn in Sachen Liebe hatte vergangenes Jahr nur wenig zu bieten. Doch würde mich jemand fragen, wie mein Jahr 2020 war, würde ich wohl Folgendes antworten: Es war nicht alles schlecht.

Im Gegenteil, das neue Jahr hat nämlich sogar richtig gut begonnen. Silvester in Brünn mit neuen Bekanntschaften, die im Laufe des Jahres – trotz Distanz – sogar zu echten Freunden wurden. Und mit einem neuen Job, nach dem ich so lange gesucht habe und der sich schließlich als echter Glücksgriff entpuppt hat. Und bevor ein Virus unser Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, konnte ich sogar noch ein paar sonnige Tage auf der Piste und einen letzten unbeschwerten Wien-Tag mit Kaffeehaus- und Museumsbesuch gemeinsam mit meinen Eltern genießen.

Kurze Zeit später sah dann alles plötzlich anders aus. Die Freiheiten, die wir als so selbstverständlich und normal angesehen haben, waren mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen weg. Von Freunden, mit denen man sich immer ohne Bedenken getroffen hat, sollte man sich auf einmal distanzieren, nicht umarmen und sich schon gar nicht erst treffen. Doch einer richtigen Freundschaft kann auch Distanz nicht schaden. Es wurde hingegen improvisiert, man hat sich einfach online getroffen und sich wohl mehr via Nachrichten und Videoanrufen intensiver auf dem Laufenden gehalten als zuvor.

Schön langsam wurde es dann auch Sommer und je mehr Wochen vergingen, desto “normaler” erschien einem diese ganze Situation – so war es zumindest in meinem Fall. Jedenfalls war alles nicht mehr so beängstigend wie zu Beginn der Pandemie. Außerdem kam mit dem Sommer auch etwas Entspannung und Lockerung in diese ganze Sache. Man konnte wieder raus gehen, Freunde zumindest mit Abstand treffen und im Schanigarten den ein oder anderen Spritzer trinken. Doch so schnell der Sommer da war, so schnell war er auch wieder vorbei und der nächste Lockdown ließ nicht lange auf sich warten. Und so war kurze Zeit später auch wieder Social Distancing an- und Spritzer trinken im Restaurant abgesagt.

Doch auch wenn man jammern kann, was man will, das Jahr 2020 hat mich persönlich einiges gelehrt. Nämlich, dass ich mich glücklich schätzen darf, dass mein größtes “Problem” in dieser Krise das Tragen einer Maske ist. Dass auch trotz Lockdown keine Sportskanone aus mir wird (und das wohl auch nie geschehen wird). Dass jeder von uns mit diesen herausfordernden Zeiten anders umgeht. Dass viele Dinge in meinem Leben, die ich immer als selbstverständlich angesehen habe, es einfach nicht sind und vor allem, dass ich die Dinge zu schätzen weiß, die direkt vor meiner Nase liegen.

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